Des einen Freud des anderen Leid

… oder wie sächsische Hochtechnologie ein Opfer erfolgreicher chinesischer Wirtschaftspolitik wird.

Die Insolvenz von SolarWorld ist – auch und besonders für Sachsen – so etwas wie ein trauriger Höhepunkt des Niedergangs der deutschen Solarindustrie. Bisweilen hat man aber auch den Eindruck, dass nicht alle Parteien im Landtag das als Verlust begreifen. So hat die AfD in Solartechnologie immer nur links-grünes Teufelszeug gesehen, dass nur durch ideologisch motivierte Subventionsstrohfeuer überhaupt erst entstehen konnte.

Das lässt aber die weltweite Entwicklung außer Acht. Die Realität ist eine andere: während die Solarindustrie weltweit boomt, ist sie in Deutschland auf dem Sinkflug.

Auch wenn alle Beteiligten von der konkreten Insolvenzanmeldung bei SolarWorld kalt erwischt wurden, so kam die Entwicklung letztlich dennoch nicht komplett überraschend. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass andere Unternehmen der Photovoltaikindustrie in Europa schon vor Jahren erkannt haben, dass es schwer wird, im Massengeschäft gegen die riesigen, auf Skaleneffekte setzenden chinesischen Produktionskapazitäten ankommen zu wollen.

Sie suchten ihr Heil in der Spezialisierung, in Hochpreisnischen, oder in der Verbindung von Solartechnologie mit Speichertechnik. Obwohl deutsche Unternehmen, die in der Solarindustrie einst Technologie- und Marktführer waren im letzten Jahr nur noch zwei Prozent Weltmarktanteil hatten, hat sich SolarWorld für einen anderen Weg entschieden und weiter um das Massengeschäft mit günstigen Solarmodulen gekämpft.

Gegen den Wettbewerb aus Asien wurde mit der Forderung von Schutzzöllen auf chinesische Solarimporte reagiert, welche die EU im Solarbereich ja auch verhängt hat. Nur hinkt man mit einer solchen Maßnahme aber permanent den Gegebenheiten hinterher und zum zweiten lassen sich auch hier Schlupflöcher finden. Das hat die Vergangenheit ja eindrucksvoll bewiesen.

Nebenbei bemerkt, bereits Karl Marx, der Schutzzölle aus seiner Zeit weidlich kannte, meinte damals völlig zu Recht, diese dienten lediglich dazu den Fortschritt auszubremsen und nicht wettbewerbsfähige Strukturen zu schützen, der Lage der Arbeiter helfen sie nicht. Oder anders gesagt: auch wenn es kurze Zeit Luft verschaffen mag, dauerhaft lassen sich mit Straf- oder Schutzzöllen keine Arbeitsplätze sichern.

Das chinesische Unternehmen den Weltmarkt mit riesigen Mengen preiswerter Solarzellen fluten kann man durchaus anprangern. Ja, mit Preisen unter Herstellkosten, letztlich finanziert durch milliardenschwere chinesische Staatskredite, kann in einer Marktwirtschaft niemand konkurrieren, der eine ähnliche Unterstützung nicht hat.

Aber man kann sich auch durchaus fragen warum China diese Politik betreibt und vielleicht sogar etwas davon lernen. Es geht ja letztlich überhaupt nicht darum geht, den Weltmarkt dauerhaft zu Dumpingkonditionen zu beliefern.

Auch chinesische Unternehmen wollen und müssen in langer Frist Gewinne erwirtschaften. Da hilft in dieser Branche auch der Verweis auf den Kostenvorsprung durch das geringere asiatische Lohnniveau nicht. In einer weitgehend automatisierten Massenproduktion werden es nicht die Lohnkosten, sondern die Stückzahlen sein, die über Erfolg oder Misserfolg am Weltmarkt entscheiden. China hat die Bedeutung der Photovoltaik als Schlüsseltechnologie erkannt und unternimmt nun alles, damit chinesische Unternehmen hier die erste Geige spielen.

Das kann man unfair nennen, oder einfach nur erfolgreiche Wirtschaftspolitik.

Es geht nun nicht darum, den chinesischen Weg eins zu eins zu kopieren. Aber ein klares Bekenntnis der Politik zu einer wichtigen Zukunftsbranche ist überfällig. Denn auch wenn damit letztlich noch keine Finanzmittel verbunden sind, die Wirtschaft und mögliche Investoren nehmen sehr wohl war, wie sich die Politik positioniert und ob einer Branche auch strategische Bedeutung beigemessen wird. Letztlich hat die sächsische Halbleiterindustrie es bereits gezeigt, wie es geht.

Die Staatsregierung muss nun im Interesse der Beschäftigten und des Freistaates alles in ihrer Macht stehende tun, um dieses Signal zu senden und die Erarbeitung eines tragfähigen Fortführungskonzeptes zu unterstützen und zu flankieren. Es gilt in der jetzigen Situation alles zu tun, den Forschungs- und Produktionsstandort Freiberg und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Dabei reicht es nicht den zweifelsohne engagierten Insolvenzverwalter mal machen zu lassen und zu schauen was passiert und dabei einfach auf die segensreiche Wirkung marktkonformer Lösungen zu setzen.