Trotz Anspruch oftmals kein Mindestlohn

Erschreckende Zahlen einer aktuellen Studie der Uni Potsdam und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: zwischen 1,8 und 2,5 Millionen Menschen erhalten einfach keinen Mindestlohn, obwohl sie einen rechtlich verbindlichen Anspruch auf ihn haben. Trickserien bei Arbeitszeiten und die Abzüge durch Kosten wie Arbeitsmaterial werden in der Studie aufgedeckt. Werden Beschäftigten, für die branchenspezifische Mindestlöhne gelten, eingeschlossen, waren davon 2016 sogar 3,3 Millionen und damit zehn Prozent aller Beschäftigten betroffen!

Doch das war noch nicht alles. Werden Selbstständige, Azubis und Beschäftigte in Branchen mit Übergangsfristen hinzugezählt, liegt man laut Studie schon bei über 4 Millionen. Dazu kommen Langzeitarbeitslose und Jugendliche unter 18, und schon bekommen mehr als 6 Millionen keinen Mindestlohn. 13 Prozent der Betroffenen sind Frauen und damit doppelt so viele, wie Männer. In Ostdeutschland wird viel öfter schlecht bezahlt als im Westen. Kleine Betriebe, Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants, Speditionen, Gebäudereinigungsfirmen und Baustellen tricksen besonders oft. Viele arbeiten länger, als vertraglich geregelt, aus Angst um den Arbeitsplatz, aus Angst Ärger zu bekommen. Auch der Druck durch Arbeitgeber, um die Gewinnmarge zu erhöhen, lässt viele länger arbeiten, womit ihr Lohn sinkt. Falsche Arbeitszeitdokumentation und Beschwerden von Betrieben bezüglich der bürokratischen Pflichten nehmen zu.

Für viele war früher alles besser, als sie die Arbeitszeiten nicht richtig dokumentieren mussten. Doch wie peinlich das ist, ist kaum zu beschreiben. Heißt es doch genau genommen, dass der Arbeitgeber keinen Überblick hat, was in seinem Unternehmen passiert. Als Arbeitgeber sollte man jede Minute dokumentieren, die die Angestellten für einen arbeiten. Das ist nur fair und sozial. Es müssen endlich vollständige Kontrollen durch den Zoll durchgeführt werden und Ordnungsgelder für nachlässige Arbeitgeber erhöht werden. Nur so können die Arbeitnehmer vor dem Missbrauch des Mindestlohns geschützt werden. Dafür braucht es ausreichend Personal.

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