Und wieder gehen Kapital- vor Mitarbeiterinteressen…

Zum Beginn des neuen Jahres hat das traditionsreiche Unternehmen Waggonbau Niesky (WBN) Insolvenz angemeldet. Betroffen hiervon sind fast 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vor über 180 Jahre wurde der Betrieb gegründet, über hundert Jahre wurden in Nisky Schienenfahrzeuge hergestellt. Das tragische an der jetzigen Situation: das Unternehmen, das nach eigenen Angaben nur Aufträge mit mindestens 5 Prozent Gewinn angenommen hat, gilt als namhafter Spezialfahrzeug-Hersteller mit Kunden in aller Welt und hat bereits jetzt volle Auftragsbücher auch für die nächsten Jahre.

Allem Anschein nach sind den derzeitigen Eignern, dem Münchner Finanzinvestor Quantum Capital Partners, die langfristig Renditeerwartungen schlicht nicht hoch genug, weswegen strategische Investitionen seit langem ausblieben. Im Gegenzug hat Quantum in den letzten Jahren immer wieder Geld aus dem Unternehmen abgeführt. Gemäß des Geschäftsberichtes von WBN waren dies seit 2015 Kapitalrücklagen in Höhe von insgesamt 8 Mio Euro, die dem Betrieb entzogen wurden. Renditeerwartungen des Eigners waren offenkundig wichtiger als die Zukunft des Unternehmens und seiner Mitarbeiter. Die Mitarbeiter und ihre Familien erleben derzeit ein Paradebeispiel kapitalistischer Profitmaximierung. Leidtragend ist die gesamte Lausitz, häufen sich doch in den letzten Monaten die Negativmeldungen. Mit Bombardier und Siemens in Görlitz ist auch in anderen Betrieben die industrielle Substanz der Region in Gefahr.

Aufgrund der guten Auftragslage von WBN ist mit der Insolvenz eine reale Chance verbunden, den Betrieb mit einem anderen, verantwortungsvolleren Eigentümer fort zu führen. Der Freistaat muss nun alles in seiner Macht stehende tun um das sicher zu stellen und um zu verhindern, dass das Unternehmen von Finanzheuschrecken endgültig zerlegt wird.

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