Wie Personenverkehr nicht geht…

Das Kontrastprogramm zum mustergültig ausgebauten Personenverkehr in der Schweiz und in Südtirol gab’s dann gleich auf der Heimreise zu besichtigen, als es mit dem Zug von Leipzig nach Chemnitz ging.

Zugegeben: der Zug fuhr und war diesmal sogar pünktlich. Keine Selbstverständlichkeit auf dieser Strecke. Im letzten Jahr sind an 364 Tagen insgesamt 189 Züge komplett ausgefallen, Verspätungen gehören für viele Pendler zum Alltag.

Aber dennoch, die Strecke ist alles andere als fahrgastfreundlich. Seit geraumer wird sie im Auftrag des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS) nicht mehr von der Deutschen Bahn bedient, sondern von der Mitteldeutschen Regiobahn. Diese setzt im Gegensatz zur Verbindung Hof-Dresden hier keine modernen Züge ein, sondern einfach neulackierte Uralt-Wagen mit Diesellock. So hat das Fahrerlebnis bald schon Erlebnischarakter und der Kontrast zur Schweiz kann größer nicht sein. Die Klimaanlage der Uralt-Waggons besteht aus dem Fenster (den Allergiker freut‘s), von so neumodischem Quatsch wie WLAN keine Spur. Dafür machen sich die Abteiltüren immer mal selbständig und dass das Angebot nicht barrierefrei ist versteht sich schon beinahe von selbst.

Dieses Trauerspiel, bei dem eine Eisenbahnverbindung durch bewusste Angebotsverschlechterung gezielt unattraktiv gemacht wird ist eigentlich ein Skandal. Die Verantwortung dafür trägt zum einen der VMS, der die Ausschreibekriterien gezielt so gestaltet hat, dass die Deutsche Bahn mit ihren moderneren Zügen keine Chance hatte. Ziel war es Geld zu sparen um jeden Preis und die Bahn von der Strecke zu drängen.

Immer wieder werden die Nachteile für Chemnitz beklagt, weil die Stadt nicht an den Eisenbahnfernverkehr angeschlossen ist. Der Zustand der Nahverkehrsverbindung zwischen unserer Stadt und Leipzig ist ein mindestens ebenso großes Problem zum Schaden der Einwohner und der Entwicklung der gesamten Region.

Verantwortung tragen aber auch die sächsische Staatsregierung und die sie tragenden Parteien CDU und SPD, die zwar großzügig Straßenneubauten finanzieren, sich aber weigern den öffentlichen Personenverkehr in Sachsen mit den Mitteln auszustatten, den er benötigt. Es bleibt zu hoffen, dass die Kolleginnen und Kollegen der Koalition die Erkenntnis mit nach Hause gebracht haben, dass sich das ändern muss.

 

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