Beschäftigte dürfen nicht Opfer kapitalistischer Verteilungskämpfe werden!

Viele Großkonzerne – gerade im Automobilbau – nutzen ihre Marktmacht und erteilen kleineren Unternehmen oft nur dann langfristige Lieferverträge, wenn diese zu großen Zugeständnissen bereit sind und bis an die Grenze des wirtschaftlich Machbaren gehen. Diesen Spieß versucht die Prevent-Gruppe umzudrehen und kauft seit Jahren gezielt strategisch wichtige Zulieferer der Automobilindustrie. Das mag auf den ersten Blick wie eine sympathische Robin-Hood-Methode aussehen, aber tatsächlich ist es nichts anderes als ein knallharter Kampf zwischen kapitalistischen Unternehmen um Profite und Gewinnmargen. Die Mitarbeiter von Prevent profitieren davon nicht, vielmehr werden sie zur reinen Spekulationsmasse degradiert.

So auch bei der Neuen Halberg Guss: Ende 2019 sollen in Leipzig mehrere hundert Menschen ihre Arbeit verlieren. Vorausgegangen war ein Lieferstopp der zum Prevent-Konzern gehörenden Gießerei gegenüber VW vor einigen Wochen. Erzwungen werden sollte zum Teil eine Verzehnfachung des bisherigen Preises. Bereits damals haben Mitarbeiter und Gewerkschaft gegen den Brachialkurs von Prevent protestiert, kommen doch ihre Arbeitsplätze im Kalkül des Konzernes nicht vor. Es geht um Profitmaximierung, auch um den Preis, dass dabei ganze Betriebe auf der Strecke bleiben.

Vorbild war das Vorgehen zweier anderer sächsischer Automobilzulieferer, die ebenfalls von Prevent gekauft wurden und mit einem Lieferstopp vor rund anderthalb Jahren die Produktion bei VW kurzzeitig gestoppt hatten. Hatte der Automobilkonzern damals eingelenkt, zog er nun die Konsequenzen und stellt seine Zusammenarbeit mit dem unzuverlässigen Zulieferer Prevent grundsätzlich in Frage.

Selbstverständlich gehört unsere Solidarität allen Mitarbeitern der Prevent-Gruppe, deren Arbeitsplätze durch das Agieren des eigenen Managements gefährdet sind. Gleichzeitig muss sich die Politik aber überlegen, ob sie ein solches Treiben tatenlos beobachtet und zulassen will, wie Menschen im Verteilungskampf der Konzerne unter die Räder kommen. Nötig sind Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, dass eigentlich profitable Unternehmen von der Belegschaft übernommen und in Selbstverwaltung oder als Genossenschaften fortgeführt werden können.

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