Was Tarifbindung über Wertschätzung erzählt…

Man hat sich fast daran gewöhnt: Sachsen ist Schlusslicht bei der Tarifbindung. Das hat der ehemalige Leiter des WSI-Tarifarchivs der Hans-Böckler-Stiftung, diese Woche beim Neujahrsempfang des Leipziger DGB nochmals bestätigt. Spitzenreiter ist demnach Nordrhein-Westphalen mit fast zwei Drittel aller Beschäftigten. In Sachsen sind es nur beschämende vierzig Prozent.

Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um eine Geschichte über die Benachteiligung ostdeutscher Beschäftigter, sondern auch um eine Geschichte über die Wirtschaftspolitik der sächsischen CDU. Rund ein viertel Jahrhundert galten ihr Niedriglöhne als Standortvorteil. Bei einigen Landespolitikern der CDU sind ähnliche Töne noch immer zu vernehmen.

Meist sind das die gleichen Politiker, die nicht verstehen können, warum in Sachsen so viele Menschen unzufrieden sind – oder wie mir eine CDU-Kollegin im Gespräch sagte: sie verstehe nicht, warum die Menschen nicht viel dankbarer gegenüber der CDU seien, schließlich gehe es Sachsen wirtschaftlich gut und seien unsere Städte und Dörfer wahre Schmuckstücke geworden…

In der Realität kommt allerdings vom Wirtschaftsboom oft nur wenig an. Stattdessen haben viele Arbeitnehmer das Gefühl ausgenutzt zu werden. Sie wissen, dass sie trotz gleicher Leistung schlechter bezahlt werden als in anderen Teilen des Landes. Wenn sich bei vielen Frust aufstaut liegt das sicher nicht nur an der fehlenden Tarifbindung. Aber es ist ein weiteres Mosaiksteinchen, wo sich Menschen abgehängt fühlen.

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