Auch moralisch bankrott…

Im Stadion des Chemnitzer Fußballklubs fand vor viertausend Fans eine Trauerfeier für einen verstorbenen rechtsextremen Hooligan statt. Ein Mensch der sich öffentlich für seine Weltsicht und die daraus resultierenden Gewalttaten rühmt. Einer der damit prahlte vermeintliche Gegner auch frühmorgens in ihrer eigenen Wohnung aus dem Bett zu holen.

Für ihn gab es eine Trauerfeier mit allem denkbaren Brimborium: mit einem auf der Anzeigetafel eingeblendeten Portrait, mit Musik, mit offiziellen Worten des Stadionsprechers, mit einer Pyro-Show und Spielern die offen Sympathie zeigen. Die Fanbeauftragte (bizarrer Weise eine SPD-Stadträtin) kondoliert öffentlich und würdigt den Toten in den sozialen Medien, dass er „immer straight“ gewesen sei.

So recht weiß man nicht wie man reagieren soll: Schock und Wut über den offenen Schulterschluss von Teilen des CFC mit der extremen Rechten in der Stadt, oder einfach schulterzuckend abwinken, weil so richtig überrascht ist man dann doch nicht, dass so etwas im Chemnitzer Stadion möglich war. Schließlich hatte die Security-Firma des Verstorbenen viele Jahre im Stadion für Ordnung gesorgt und das obwohl der Verein wusste wen man hier beauftragt hatte.

Leider passt es allgemein ins Bild, das inzwischen viele von Chemnitz haben. Die Schlagzeilen von Jagden auf „Fremde“, sowie den Überfällen auf ausländische und jüdische Restaurants Ende August 2018 in der Stadt gingen um die Welt. Selbst im fernen Ufa konnte ich die Bilder im russischen Fernsehen sehen. Damals gehörte die Hooliganszene des CFC zu den Drahtziehern und maßgeblichen Akteuren.

Und es gab eine im Grunde eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Immer wieder gezielte Tabubrüche, offene Fremdenfeindlichkeit in der Fankurve, selbst gegenüber von Spielern des eigenen Vereins, am Rande Ausschreitungen und Überfälle auf Menschen die nach rechter Weltanschauung nicht dazu zu gehören haben. Der CFC erkennt diese Probleme jahrelang nicht an und lässt den Neonazis jenseits von Sonntagsreden anscheinend freie Hand oder arbeitet aktiv mit ihnen zusammen. Es ist nicht nur die Fanbeauftragte, auch ein Nachwuchstrainer hat sich ähnlich geäußert.

Die Aussagen des Verein, er sei ein „Bollwerk gegen Rechtsextremismus“, sind in Anbetracht der Ereignisse des letzten Wochenendes blanker Hohn. Man kann sich des Eindrucks nur schwer erwehren, das der Verein, der derzeit unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters steht – zumindest in Teilen – auch moralisch bankrott ist.

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