Stadtfest-Absage als Kapitulation

Die Absage des Stadtfestes war eine falsche Entscheidung. Sowohl der Zeitpunkt war falsch, als auch die Absage als solche.

Wenn die für das Fest verantwortliche Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE) davon spricht, dass die „Marke Stadtfest“ durch die Ereignisse letzten Jahres beschädigt sei, dann hinterlässt das einen schalen Beigeschmack.

Ja, die Tötung eines Chemnitzers im letzten August hat die Stadt in Aufruhr versetzt. Auch wenn das Stadtfest als solches mit der Tat nichts zu tun hatte, so war es damals richtig, es vorzeitig zu beenden. Zum einen aus Respekt vor dem Opfer, aber auch aufgrund der rechten Aufmärsche und Ausschreitungen, die sofort einsetzten, als bekannt wurde, dass der mutmaßliche Täter ein Flüchtling war. Diese von Pro Chemnitz und AfD angeheizten Aufmärsche prägten bundesweit und über Monate hinweg das Bild von Chemnitz. Den negativen Ruf wird unsere Stadt noch jahrelang mit sich tragen.

Allerdings das Stadtfest mit dieser Begründung für 2019 abzusagen klingt wie eine Kapitulation – nicht nur der CWE, sondern der gesamten Stadt. Bei aller Kritik die es auch bereits in den Vorjahren am Stadtfest gab, aber ich hätte mir gewünscht, dass Chemnitz in diesem Jahr ein Zeichen setzt. Ein Zeichen für eine bunte und weltoffene Stadt, aber auch ein Zeichen für das Leben.

Auch den Zeitpunkt der Absage konnte man mit Blick auf den derzeit begonnenen Prozess gegen den mutmaßlichen Täter nicht schlechter wählen. Wenn die CWE dabei auch noch als Begründung unkalkulierbare Sicherheitsrisiken anführt, dann klingt auch das wie eine Kapitulation. Abgerundet wird dieser Gesamteindruck durch die zufälligerweise gleichzeitig stattfindende Beisetzung eines bekannten Chemnitzer Hooligans, zu der hunderte Rechtsextreme angereist waren und die bereits ein trauriges Vorspiel im Stadion des CFC fand.

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